Mysterium “Wassergefühl”

Die Beziehung des Menschen zum Wasser ist zweifelsohne ambivalent: Auf der einen Seite ist Wasser für unser Überleben unerlässlich, auf der anderen Seite hat es auch so manch Schattenseite – man denke nur an die jährlichen Ertrinkungstote. Seit Menschengedenken versuchen wir uns das Wasser untertan zu machen, es zu beherrschen – sei es mit Booten und Schiffen oder auch mit unserem eigenen Körper. Manchen gelingt das besser, manchen – trotz zahlreicher Trainingsstunden – schlechter. Beide soll das sogenannte Wassergefühl unterscheiden.

Doch was genau ist das eigentlich? Und ist es tatsächlich vererbt oder lässt es sich doch irgendwie trainieren? Im folgenden Artikel (erschienen in der Frühjahrsausgabe 2020 des swimsportMagazines) nehme ich dieses Phänomen genauer unter die Lupe.

Viele von euch werden zwar vermutlich gerade auf dem “Trockenen” sitzen und nicht ins Wasser können. Sobald das aber wieder möglich ist, lohnt es sich sicherlich, direkt an diesem mysteriösen Wassergefühl zu arbeiten und die Tipps und Übungen aus dem Artikel umzusetzen.

Krafttraining mit Kindern

Also Kinder – ran an die Geräte und Gewichte! Oder doch nur mit dem eigenen Körpergewicht?

Immer noch Corona… Und damit immer noch wenig oder gar kein Wassertraining und stattdessen vermutlich viel Athletiktraining via Videokonferenzen. Vielleicht genau der richtige Zeitpunkt, um sich mit der Frage zu beschäftigen, inwiefern man mit Kindern schon mit Gewichten und an Kraftgeräten trainieren darf. Mit dieser habe ich mich in der Sommerausgabe 2019 des swimsportMagazines beschäftigt. Viel Spaß beim Lesen und haltet durch – es kommen auch wieder andere, schwimmerfreundlichere Zeiten!

Mit der Big Pool Theory startet ein Herzensprojekt

Die meisten, die mich kennen, wissen, dass ich mich sehr gerne mit Forschung beschäftige, liebendgerne Studien lese und wissenschaftliche Bücher, Podcasts und Youtube-Videos nur so verschlinge. Und alle, die mich noch etwas näher kennen, wissen zudem, dass zwei Forscherherzen in meiner Brust schlagen: Mein Masterstudiengang, ein Großteil meiner derzeitigen Moderatorentätigkeit und auch meine Dissertation lassen sich klar der Schul- und Bildungsforschung zuschreiben. Zwei Forschungspraktika während des Studiums, HiWi-Jobs und auch die Bachelor- und Masterarbeit waren jedoch allesamt in der Sportwissenschaft angesiedelt. So kommt es, dass ich mich auch nach wie vor gerne mit sportwissenschaftlicher, insbesondere sportpsychologischer und schwimmrelevanter Forschung auseinandersetze.

Mit dem gestrigen Tag startete nun die Big Pool Theory: Ein seit Längerem von mir erhofftes Herzensprojekt, für das ich einige der führenden schwimmnahen Wissenschaftler:innen Deutschlands begeistern konnte. Die Idee: Wir produzieren u.a. Podcasts und Texte, mit denen wir schwimmrelevante Forschung für Trainerinnen und Trainer verdaulich aufbereiten. Etwas, was ich alleine niemals in der Breite und der Qualität schaffen würde. Ein Dank gilt auch der Deutschen Schwimmtrainer-Vereinigung, die uns hierfür eine Plattform und das nötige Equipment zur Verfügung stellt.

In unserer ersten Podcast-Folge erklären Ilka Staub und Christoph Zinner noch etwas genauer die Idee hinter dem Projekt:

Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit dem Team und verweise an dieser Stelle gerne hin und wieder auf die Podcasts und Texte.

Ein Konzept fürs Techniktraining

Zu Beginn eine kleine Anekdote:

Einer der Trainer, bei denen ich in den USA hospitieren durfte, sagte einmal, man könne seiner Meinung nach Trainer in Bezug auf deren Techniktraining grob in folgende fünf Kategorien einteilen:

  • Kategorie 1: Bei diesem Trainer findet Techniktraining gar nicht statt. Er lässt seine Sportler einfach nur schwimmen und tippt während des Trainings auf seinem Smartphone herum.
  • Kategorie 2: Bei diesem Trainer findet Techniktraining in Form von technischen Übungen (TÜ’s) statt, die jedoch wild kombiniert und nicht weiter beschrieben oder erläutert werden (auf dem Trainingsplan steht „200m TÜ nach Wahl“)
  • Kategorie 3: Bei diesem Trainer findet Techniktraining in Form von TÜ’s auf Ansage und nach Beschreibung statt. Der Trainer gibt sporadisch während des Techniktrainings Feedback.
  • Kategorie 4: Bei diesem Trainer findet Techniktraining in Form von methodisch sinnvoll aufeinander aufbauenden TÜ’s statt. Der Trainer gibt im weiteren Training regelmäßig Feedback anhand des vorigen Technikschwerpunkts.
  • Kategorie 5: Bei diesem Trainer findet Techniktraining in Form von methodisch sinnvoll aufeinander aufbauenden TÜ’s statt. Dabei bleibt es jedoch nicht: Er erklärt in speziellen Theorieeinheiten einzelne Technikelemente und bespricht in Einzelgesprächen mit den Sportlern anhand von Videoanalysen deren Stärken und Schwächen, kennt diese auswendig und hat den Anspruch, jeden einzelnen seiner Sportler in jedem Training technisch weiterzuentwickeln.

Ziel sollte demnach für jeden Trainer und jede Trainerin natürlich Kategorie 5 sein.

Mich treibt diese Einteilung schon eine ganze Weile um und ich denke, dass man die Kategorien durchaus hinterfragen kann. Klar: Kategorie 1 und 2 halte auch ich nicht für super. Aber in meinen Augen ist es auch eine Frage des Saisonzeitpunkts und des Alters der Sportler, welche Kategorie gerade am angebrachtesten sein könnte. Beispielsweise betonte Bob Bowman, der Trainer von Michael Phelps, immer wieder, dass Phelps auch deshalb so stark war, weil er am Ende ein mündiger Sportler war: Er wusste, wann er sehr intensiv trainieren konnte und wann er besser etwas “rausnehmen” sollte. Er kannte seine Stärken und perfektionierte diese, er kannte aber auch seine Schwächen und arbeitete hart daran. Genau für Letzteres wusste er genau, welche technischen Übungen er immer wieder gezielt in sein Training einbauen musste.

Genau hier setzt mein momentaner Ansatz von Techniktraining an. Die fünf Trainerkategorien und das Ziel des “mündigen Sportlers” zusammengenommen, ergeben für mich folgende Stufen, wie sich Techniktraining in den langfristigen Leistungsaufbau, aber auch innerhalb einer Saison integrieren lässt:

  • Stufe 1 – Standard-TÜ-Reihen auf Ansage: Hier geht es ausnahmweise darum, alle Sportler “über einen Kamm zu scheren” und diejenige Technikvariante der gesamten Gruppe beizubringen, die alle Sportler einer Gruppe mindestens schwimmen sollten. Dazu nutze ich standardisierte TÜ-Reihen mit ca. 4-8 technischen Übungen pro Schwimmart (je nach Altersgruppe), die ich immer wieder mit allen Sportlern auf Ansage und mit Erklärung durchführe (Kategorie 3). Standardisiert sind diese deshalb, weil sie sich zum einen für mich als sehr gute Übungen herauskristallisiert haben und das Technikminimalziel für die gesamte Gruppe gewährleisten. Zum anderen müssen die Sportler diese für Stufe 2 auswendig kennen. Darum dürfen es gerade bei jungen Sportlern nicht zu viele Übungen sein.
  • Stufe 2 – Standard-TÜ-Reihen selbstständig ausgeführt: Auf dieser Stufe sollen die Sportler insbesondere als Vorbereitung auf eine Hauptserie die auf Stufe 1 erlernte Standard-TÜ-Reihe selbstständig ausführen. Wenn also beispielsweise eine Rückenhauptserie auf dem Programm steht, schwimmen die Sportler selbstständig die erarbeiteten 4-8 Rücken-Standard-TÜ’s. Darin sehe ich zwei zentrale Vorteile: Durch die wegfallenden Ansagen geht nicht so viel Zeit verloren wie in Stufe 1 und als Trainer habe ich durch die selbstständige Ausführung die sehr gute Gelegenheit, individuelles Feedback zu geben (Kategorie 4).
  • Stufe 3 – Individuelle TÜ’s: Im nächsten Schritt sollte das Techniktraining noch individueller gestaltet werden. Hierzu nutze ich gerne das Ferientraining, um von allen Sportlern in allen 4 Schwimmarten (zeitgleich über- und unterwasser) Videoaufnahmen zu erstellen und bestenfalls auch deren Starts, Wenden und Unterwasserphasen zu filmen. Mithilfe der kostenfreien Videoanalyse-Software kinovea setze ich beide Videos zusammen, schicke diese den Sportlern inklusive kindgerecht formulierter Checklisten für die Selbstanalyse (s.u.). Diese geben die Sportler ausgefüllt bei mir ab, ich helfe ihnen ggf. bei den Fragezeichen. Das Ergebnis sind individuelle Stärken-Schwächen-Listen. Für alle Schwächen gebe ich den Sportlern TÜ’s an die Hand, die sie von nun an im Training ausführen und so gezielt an ihren individuellen Schwächen arbeiten können.
  • Stufe 4 – TÜ’s innerhalb der GSA: Auf der letzten Stufe und nach einer etwaigen weiteren Videoanalyse folgt der Schritt der Automatisierung. Hierzu müssen die Sportler viel in der nun technisch verbesserten Gesamtschwimmart schwimmen. Technikfokusse (z.B. “Achte auf das Eintauchverhalten deiner Hand”) oder differenzielle Übungen* (z.B. “Tauche von sehr breit bis sehr eng ein und erspüre dein individuelles Optimum”) schulen auf dieser Stufe das Wassergefühl. Diese sollten jedoch nicht zu weit weg von der individuellen Zieltechnik führen.

Diese vier Stufen lassen sich auf alle Altersgruppen ab dem Grundlagentraining übertragen: Während man dort auf Stufe 1 und 2 verbleibt, kann man im Aufbau- und Anschlusstraining Stufe 1 bis 4 zum Beispiel wie folgt in die Jahresplanung einbauen: Stufe 1 vom Saisonstart bis zu den Herbstferien. In den Herbstferien findet dann die erste kurze Videoanalyse (ohne Selbst-Check, stattdessen mit kurzen Hinweisen des Trainers) statt. Im Anschluss folgt Stufe 2. Nach Weihnachten wird die ausführliche Videoanalyse (inkl. Selbst-Check) durchgeführt und in der Folge die individuellen TÜ’s ausgeführt. Wenn es dann Richtung Hauptwettkämpfe (Norddt./Süddt./NRW Meisterschaften bzw. DJM) geht, folgt schließlich Stufe 4.

In einem oder mehrerer weiterer Posts werde ich beispielhaft einige individuellen TÜ’s vorstellen. Schaut also bald wieder vorbei!

Viele Grüße

Lukas

*Differenzielle Übungen nach Schöllhorn sind eine Sonderform der Gegensatzerfahrungen. Es geht hierbei darum, dass die Schwimmer durch die Erweiterung ihres Bewegungsraums selbst erspüren sollen, wie eine bestimmte Teilbewegung für sie persönlich optimal ist. In der Regel funktioniert dies ohne Feedback durch den Trainer, aber auch nur dann, wenn die Bewegung zunächst in der eine Extreme ausgeführt und danach kleinschrittig ins Optimale und schließlich in die andere Extreme überführt wird.

Büchertipps (Stand: Mai 2021)

Mit der Unterstützung einiger Trainerkollegen soll hier eine kleine Literatursammlung für insbesondere deutschsprachige Bücher entstehen. Da jedoch noch nicht alle in unseren Augen sehr guten Bücher ins Deutsche übersetzt wurden, finden sich auch einige englischsprachigen Bücher darunter. Uns ist es nicht immer einfach gefallen, die Zielgruppe Schwimmer, Eltern, Trainer genau zu definieren. Der Übersichtlichkeit halber haben wir uns dennoch für eine Zuteilung entschieden. Es soll jedoch nicht heißen, dass nicht auch Trainer in der Literatur für Schwimmer fündig werden können usw.

Das jeweils oberste in jeder Kategorie ist das jeweils neueste dieser Sammlung.

Für Schwimmer

Unter der Oberfläche

Michael Phelps

Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich dieses Buch gelesen habe. Es ist das erste von zwei autobiographischen Büchern von Michael Phelps. Das zweite (No Limits: The Will to Succeed) gibt es meines Wissens nach noch nicht auf Deutsch. Beide Bücher lohnen aber. Das erste zeichnet Phelps Weg bis Athen 2004, wo er mit insgesamt acht olympischen Medaillen die Bestmarke des russischen Kunstturners Alexander Ditjatin einstellte – eine Bestmarke, die Phelps selbst vier Jahre später in Peking als bisher einziger Athlet überbieten sollte. Das Buch erzählt jedoch nicht nur von den Sonnenseite seines Lebens, sondern widmet sich ganz explizit auch den Schattenseiten der ersten Jahre dieser einzigartigen Karriere – angefangen von seiner Angst als kleiner Junger vor dem Wasser, über erste Erfahrungen im Schwimmsport und Streits mit seinem Jugend- und später auch Olympiatrainer Bob Bowman, bis hin zur Trennung seiner Eltern und dem knappen Verpassen der Olympiaqualifikation seiner älteren Schwester. Ich kann dieses Buch daher uneinschränkt jedem Schwimmer weiterempfehlen, der gerade einen Tiefpunkt erlebt (ebenso wie diesen Artikel), Streit mit seiner Trainerin hatte, aber auch allen Sportlern (und Trainern), die eine realistische, ungeschönte Sicht auf unseren geliebten Sport haben möchten – vom größten Olympioniken aller Zeiten.

Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht

Malcolm Gladwell

Wer ein Buch zum Thema „Wie Einzelfälle der Weltgeschichte erfolgreich geworden sind“ sucht, das sich sehr leicht lesen lässt, der wird hier fündig. Es geht leider nur in wenigen Kapiteln um Sport und nur an manchen Stellen gibt es eine klar ersichtliche wissenschaftliche Untermauerung. Im Grunde gibt es laut Autor zwei Möglichkeiten, erfolgreich zu werden: Anstrengung und Vererbung – im besten Fall kommt beides zusammen. Für beide Kategorien sind jedoch die beiden folgenden Bücher deutlich tiefgreifender (Anstrengung: The Talent Code, Vererbung: The Sports Gene). Kleine Notiz am Rande: Viele von euch werden die sogenannte 10.000-Stunden-Regel kennen. Diese besagt, dass man 10.000 Stunden in einem x-beliebigen Bereich (Sport, Musik, Kunst, Kochen…) üben müsste, um darin ein Experte zu werden. Ursprünglich wurde diese Theorie von einer Forschergruppe um den schwedischen Psychologen Karl-Anders Ericsson (Ericsson, Krampe & Tesch-Römer, 1993) postuliert. So richtig als 10.000-Stunden-Regel populär geworden ist sie dann aber durch eben dieses Buch von Malcom Gladwell. Die Theorie passt zwar zur westlichen und insbesondere US-amerikanischen Auffassung von Fleiß und Erfolg, konnte für den Sportbereich jedoch nie empirisch nachgewiesen werden und gilt in der Wissenschaft daher schon länger als überholt (Issurin & Zuozienė, 2015; Lames & Werninger, 2011; siehe auch den interessanten Beitrag zur Widerlegung der Theorie Ericssons von Tucker, 2012).

Visions of Excellence: The Art of Achieving Your Dreams

Mark Tewksbury

Dieses Buch des kanadischen Rückenschwimmers Mark Tewksbury, war meine Einführung in die Visualisierung und mentale Bildsprache. Im Jahr vor den Olympischen Spielen 1992 reiste Tewksbury zum noch nicht fertig gebauten olympischen Schwimmbecken in Barcelona und lief das Becken auf und ab, blieb dort stehen, wo er die Blöcke vermutete, und stellte sich jeden Aspekt seines Rennens vor. Ein Jahr später wird er Gold im 100-Meter-Rückenrennen gewinnen und das Rennen wird exakt so verlaufen, wie er es sich zuvor unzählige Male vorgestellt hatte.

Für Trainer

Schwimmtechnik

Immer wieder erhalte ich von Seminar-Teilnehmer*innen die Frage nach guter Fachliteratur zur Schwimmtechnik. Das ist eine wirklich sehr gute Frage, weil es eigentlich kein Buch auf dem Markt gibt, das meinen eigenen Ansprüchen an Didaktik, Aktualität und Aufmachung (v.a. Qualität der Fotos/Grafiken) genügt. Dennoch hier einige aktuelle Tipps:

Gerade was die die Fotos anbelangt, gefällt mir besonders das Buch Kraul, Schmetterling, Rücken, Brust: Die Geheimnisse der Topschwimmer von Sheila Taormina. Sie hat da allerdings auch ein paar Dinge drinnen stehen, die nicht mehr up to date sind oder über die sich aus wissenschaftlicher Sicht blendend streiten lassen.

Hier eignet sich dann besser das Buch Schwimmen von Rüdiger Schneider. In mühevoller Kleinarbeit hat er seine Texte zu den einzelnen Schwimmtechniken allesamt wissenschaftlich belegt. Leider sind die Fotos nicht ganz so gut.

Wer vor englischsprachiger Literatur nicht zurückschreckt, kann sich mit dem Buch Primer for Swimming Coaches: Volume 2: Biomechanical Foundations von Ernest Maglischo das wohl umfangreichste zulegen oder das derzeit aktuelle Fundamentals of Fast Swimming: How to Improve Your Swim Technique von Gary Hall Sr., einem ehemaligen Weltrekordhalter und gleichzeitig studiertem Biomechniker. Einziger Knackpunkt bei beiden Büchern: Alles ist in schwarzweiß und die Abbildungen von schlechter Qualität. Bevor man sich Letzteres zulegt, deshalb noch ein Tipp: Die Inhalte aus dem Buch sind quasi ein Konglomerat aus Inhalten Garys Vereinseite: theraceclub.com. Dort stellt er und sein Team zahlreiche Videos und Texte zum Teil kostenfrei (siehe z.B. ein Video zur Kraulatmung), zum Teil kostenpflicht zur Verfügung. Bevor man sich also das Buch kauft und sich zwar über dessen Aktualität freut, aber über dessen Aufmachung ärgert, registriert man sich vielleicht lieber für derzeit 20$ im Monat für den Vollzugang zu allen Videos und Texten (sogenannte “Lane 3“), schaut sich sämtliche Videos an, speichert sich relevante Text ab und beendet anschließend die Mitgliedschaft wieder.

Erfolg braucht kein Talent: Der Schlüssel zu Höchstleistungen in jedem Bereich

Daniel Coyle

In diesem Buch geht es darum, wie Talente in verschiedenen Bereichen (v.a. im Sport) an unterschiedlichen „Hot Spots“ in der Welt entwickelt werden. Der Autor reist hierfür an diese Orte, spricht mit Experten aus Praxis und Forschung und leitet von seinen Entdeckungen allgemein Ableitungen ab. Zum Teil werden diese Aspekte wissenschaftlich untermauert (z.B., wie der Mensch auf neuronaler Ebene lernt), zum Teil bleiben sie auf anekdotischer Ebene. Das Fazit seiner Reise: Man muss das „Feuer“ beim Talent entfachen, dann benötigt es „schlaues Coachen“ und vor allem sogenanntes „deep practice“, also sinnvolles, zielgerichtetes Trainieren (und eben nicht, wie Gladwell behauptet: 10.000 Stunden).

Die Siegergene: Talent, Übung und die Wahrheit über außergewöhnlichen Erfolg

David Epstein

Warum sind Jamaikaner so gut im Sprinten und die Kenianer so gut im Ausdauerlauf? Und gibt es eine Art vererbte „Trainierbarkeit“? In diesem Buch wird genau jenen Fragen nachgegangen und geklärt, wie viel der sportlichen Leistungsfähigkeit eigentlich vererbt ist. Ergebnis: Eine ganze, zum Teil erschreckend große Menge! Dieses Buch hat mich fasziniert – insbesondere deshalb, weil der Autor zwar Einzelfälle beleuchtet, aber mit sehr stark wissenschaftlichem Fokus an die Sache ran geht. Mein absoluter Favorit in dieser kleinen Buchauswahl!

Für Eltern

Champions are raised, not born

Summer Sanders

Die Autorin, Summer Sanders, ist 4-fache Olympiamedaillengewinnerin und beschreibt in diese Autobiographie ihren Weg vom wasserbesessenen Kleinkind zum Olympiasieger bis hin zu ihrem unglücklichen Comeback. Für Schwimmer, besonders aber für Schwimm-Eltern gibt es in dieser Biografie reichlich Stoff zum Schmunzeln und Nachdenken. Die Anekdote, die mir am meisten hängen geblieben ist, handelte davon, wie Sanders so nervös war, dass sie sich bei einem großen internationalen Wettkampf auf der Startbrücke stehend buchstäblich in die Hosen gemacht hat – ein guter Hinweis an alle Schwimmer und Schwimmerinnen, dass selbst die Topleute ihre Nerven nicht immer im Griff haben.

Mein Kind schwimmt…: 100 Fragen von besorgten und interessierten Eltern

Klaus Rudolph

In meinen Augen ein “must-have” für Trainer und Eltern von Kindern, die mit Leistungssport beginnen. Klaus Rudolph hat für dieses Buch die Fragen von hunderten Vereinen und deren Eltern gesammelt, kategorisiert und (in Teilen gemeinsam mit Pädagogen und Psychologen) in der ihm eigenen leichten und doch profunden Sprache beantwortet. Dass diese Antworten nicht nur Eltern helfen besser zu verstehen, was das eigene Kind da warum tut, sondern auch Begründungshilfen für Trainerinnen und Trainer bietet, zeigt folgende Beispielfrage: “Warum muss unser Kind in ein Trainingslager fahren? Es kann doch auch zu Hause trainieren und es wird nicht so teuer.” Als Fan von Klaus Rudolph’ Schreibstil und interessierter Trainer, habe ich das Buch mit dem größten Vergnügen gelesen und es hat mich insbesondere in meiner Anfangszeit als Nachwuchstrainer sehr dabei unterstützt, auf so manche Elternaussage wertschätzend und doch zielorientiert reagieren zu können.

Und wer nun noch immer nicht genug hat und vor englischer Literatur nicht scheut, kann sich noch hier einige Büchertipps holen: https://www.swimmingforparents.com/books/

Lass dich nicht hängen!

5 Anti-Burnout-Tipps für die trainings- und wettkampffreie Zeit

Erst die DM, dann die DJM, jetzt Olympia: Nach und nach werden sämtliche Wettkämpfe und Meisterschaften abgesagt oder verschoben – jene Events also, für die so viele von euch so hart trainiert haben. Aus der Traum! Die ganze investierte Zeit und Energie – umsonst!

Das mag vermutlich den allermeisten von euch im ersten Moment durch den Kopf gegangen sein. Und zwar völlig zurecht! Wir sind keine Maschinen, keine Laptops oder Smartphones, die man einfach per Knopfdruck komplett herunter- und im nächsten Moment wieder hochfahren kann.

So wie man aber auch beim Aufladen des Smartphone-Akkus einige Dinge beachten kann, so kann man auch für unsere Psyche nun einige Maßnahmen ergreifen, um wieder mit voller Energie nach dieser Zeit durchzustarten. Hier deshalb 5 kurze Anti-Burnout-Tipps für die trainings- und wettkampffreie Zeit:

1) Lass es raus!

Wer wütend oder traurig ist, soll das erstmal rauslassen! Das ist nicht nur menschlich, sondern ganz wichtig, um nicht in eine Negativ-Spirale zu rutschen. Wenn du merkst, dass dich das doch mehr beschäftigt und runterzieht, hol dir professionelle Unterstützung von einem Sportpsychologen (zu finden an vielen Landes- und Bundesstützpunkten und auf der offiziellen Seite des BiSp). Auch ich biete Coachings (gerne via Skype) an. Mehr Infos dazu hier.

2) Mach mal Schwimm-Detox!

Je nachdem, wie sehr dich die aktuelle Situation runterzieht, kann es auch gut tun, das Thema Schwimmen erstmal für eine klar begrenzte Zeit (sprich diese mit deinem Trainer ab!) in “Quarantäne” zu schieben, sprich: sämtliche Schwimm-WhatsApp-Gruppen stumm schalten, Instagram-Profile “entfolgen” usw. Jetzt wäre auch mal Zeit für andere schöne Dinge, die sonst in deinem Schwimmer-Alltag nicht so viel Platz haben. Zum Beispiel könntest du das Buch lesen, das dir Oma Inge vor drei Jahren geschenkt hat, eine Fremdsprache des Landes lernen, in das du gerne mal reisen möchtest oder auch anderen deine Unterstützung anbieten – z.B. indem du den Tupperschüssel-Schrank deiner Mutter aufräumst, du für unterstützungsbedürftige Menschen einkaufen gehst, bei der Ernte hilfst, älteren Mitmenschen dein offenes Ohr schenkst usw.

3) Reflektiere!

Für alle, die mit der Situation (momentan zumindest) gut zu rechtkommen und für alle anderen nach ihrem Detox geht es darum, nach vorne zu blicken: Wie soll es nun weitergehen? Direkt zu Hause (zumindest im Trockenen) weitertrainieren oder doch erstmal eine gezielte Pause machen? Hierfür solltest du dich mit deinem Trainer abstimmen (siehe Tipp 4), in erster Linie aber erstmal ganz ehrlich zu dir selbst sein: Was möchtest du, was brauchst du jetzt? Was tut dir gerade gut und was nicht? Wie steht es um deine Motivation? Vereinfacht lassen sich da zwei Typen unterscheiden: die einen können schneller abhaken und ihren Blick nach vorne richten, die anderen hängen dem geplatzten Traum länger nach. Beides ist völlig in Ordnung, beides benötigt jedoch im kurz- und mittelfristig unterschiedliche Herangehensweisen. Gehe also in dich und spüre, ob dein Traum in dir noch lebt und es dich schon wieder anfängt zu kitzeln – oder du eben doch gerade erstmal etwas Abstand benötigst. Nichts wäre schlimmer als jetzt einfach blind weiterzutrainieren, nur dass dir dann Mitten in der nächsten Saison klar wird, dass eigentlich gar keine Motivation mehr vorhanden ist. Mach erst weiter, wenn du merkst, dass das Feuer langsam wieder zu lodern beginnt.

4) Plane und strukturiere!

Als nächstes solltest du diese Gedanken mit deinem Trainer/deiner Trainerin und mit deinen engsten Vertrauten (Eltern/PartnerIn) teilen. Mache dir gemeinsam mit deinem Trainer einen Plan, wie die nächsten Wochen und Monate aussehen können. Du bist von heute auf morgen aus einem hochstrukturierten Alltag (Schule und mehrmaliges Training pro Woche) in einen weitaus weniger strukturierten Tagesablauf gestoßen worden. Diese Freiheit mag im ersten Moment “cool” sein, kann aber nicht nur erwiesenermaßen Ängste auslösen, sondern auch zu seelischer Unruhe und Unausgeglichenheit führen. Du solltest deinem neuen Alltag also eine klare Struktur geben: Wann stehst du auf? Wann gehst du zu Bett? Wann sind deine Arbeitszeiten (Job/Schule)? Wann trainierst du? Beim Aufstellen dieses Plans kann dir auch der Artikel zum Thema Zielsetzung aus der Frühjahrsausgabe des swimsportMagazines helfen. Stelle dir hierzu ergänzend die Frage: Wie kannst du dich heute, im Hier und Jetzt, am besten auf die Nach-Corona-Zeit vorbereiten?

5) Umgib dich mit kreativen Positivdenkern!

Sei beim Planaufstellen und -umsetzen kreativ und lass dich auch von anderen Trainern/Sportlern/Sportarten anregen. Denn letzten Endes ist es wohl das, was uns gerade am meisten stützt: Es geht momentan jedem Sportler – egal ob Amateur oder Profi – und jedem Trainer weltweit gleich. Interessant ist dabei zu beobachten, dass manche die Situation eher als Chance sehen. Oder, wie es mein befreundeter Trainerkollege Philipp Wolge* es sagt:

“In dieser Zeit trennt sich wohl die Spreu vom Weizen: wer am Ende dieser ‘Krise’ zurückblickt und auf viele harte, zum Großteil alleine durchgeführte, Trainingseinheiten zurückblicken kann, der wird mit einem gestärkten Selbstvertrauen starten”.

Eine solche optimistische Haltung stiftet an. Umgib dich deshalb gezielt und vermehrt mit solchen Leuten (sowohl in den sozialen Medien als auch bei deinen Kontakten in deinem näheren Umfeld) und halte mehr Kontakt zu diesen (indem du ihnen z.B. auf Instagram folgst oder sie häufiger anrufst) als zu den Schwarzmalern.

Wenn ihr weitere Tipps und Ideen habt, so teilt mir diese gerne mit. Ich freue mich über Anregungen 🙂
Einen schönen Text mit weiteren Tipps zu dem Thema hat auch Franka Weber auf der DSV-Homepage veröffenlicht.

Liebe Grüße und haltet durch!

Lukas


*Philipp ist z.B. ein solcher kreativer Positivdenker, siehe seine Trainingslösung für die aktuelle Zeit: https://padlet.com/philipp_wolge/78l4lbh41m90

Motivationstipps für Schwimmer

Träume, plane, reflektiere und belohne dich!

In Zeiten von Corona und – damit einhergehend – abgesagten Wettkämpfen (insbesondere Meisterschaften) und keinem oder nur sehr eingeschränkten Wassertraining ist der folgende Text aus der Herbstausgabe 2019 des swimsportMagazines vielleicht genau richtig (den ich dankenswerter Weise hier veröffentlichen darf). Denn in diesem geht es um eine mentale Komponente, die jetzt ganz viele Sportler dieser Welt benötigen: Durchhaltevermögen. Oder, wie der Psychologe sagen würde: Motivation. Viel Spaß beim Lesen und haltet durch – es kommen auch wieder andere, schwimmerfreundlichere Zeiten!