Eine schwierige Koordination, der große Wasserwiderstand, der überwunden werden muss, wenige „alltägliche“ Bewegungen und die erforderliche hohe Beweglichkeit machen Brust zu einer, wenn nicht gar der komplexesten Schwimmtechnik. Wohl nicht ohne Grund ist das Brustkapitel in den Wettkampfbestimmungen das längste aller vier Schwimmtechniken. Im Lernprozess tauchen darum gerade beim Brustschwimmen immer wieder Fehler auf. Einer der Klassiker ist der sogenannte „Scherenbeinschlag“. Was bei diesem Fehlerbild jedoch häufig missachtet wird, ist die unterschiedliche Ursache und damit die verschiedenen Korrekturmöglichkeiten, die dieser Fehler haben kann. Genau diese habe ich Euch im Folgenden zusammengetragen. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, mir eine Nachricht zu schreiben, damit ich die Liste erweitern und ergänzen kann.

Ursache 1: Knie nicht in einer Ebene und Scherenbeinschlag in der Folge

Diese Ursache kommt häufig davon, dass der Beinschlag an Land in Rückenlage oder im Sitzen eingeübt wurde. Dadurch fehlt den Schwimmern das Gefühl einer stabilen Hüfte beim Beinschlag und eine korrekte Bewegungsvorstellung für die Hauptabdruckflächen (Fußinnenseite und Unterschenkelinnenseite). Deshalb lohnt es sich bei dieser Ursache, den Beinschlag nochmal von Grund auf zu überlernen.

Korrekturmöglichkeiten:

  • Beinschlag an Land. Auf Bauch (!) liegend im Ellbogen-Stütz nach Kommando des Trainers (z.B. „Fersen zum Po“ – „Zehen nach außen“ – „großer Kreis mit Fersen“ – „schließen“)
  • Dito. Partner drückt vorsichtig (!) mit seinen Handflächen gegen die Fußinnenfläche des Schwimmers
  • Beinschlag sitzend am Beckenrand, Füße und Unterschenkel im Wasser. Fersen an Beckenwand führen, dann die Füße bewusst nach außen drehen und halbkreisförmig abdrücken (Kniebreite variieren; Füße sollten aber immer weiter außen als die Knie sein)
  • Brustbeinschlag in aufrechter Position am Beckenrand „hängend“
  • Brustbeinschlag in aufrechter Position mitten im Becken mit leichter unterstützender Scull-Bewegung der Arme. Darauf achten, dass die Knie nicht nach vorne gezogen werden
  • Beinschlag in Rückenlage. Hände liegen seitlich am Gesäß. Fersen sollen Hände beim Anfersen berühren. Knie sollen nicht aus dem Wasser schauen
  • Dito. Zehen sollen beim Anfersen zur seitlichen Beckenwand zeigen
  • Dito. Bewusster großer Kreis mit Fersen
  • Dito. Auf dem Bauch (Hände immer noch seitlich am Gesäß
  • Brustbeine am Brett (evtl. zunächst 1-2 Bahnen mit Pullbuoy zwischen den Oberschenkeln)
  • Mit Pullbuoy schwimmen lassen (Achtung! Nicht zu lange, sonst schadet das den Knien; am besten ansonsten auch keine Brustbeine schwimmen lassen, sondern wenn dann Brustarme + Kraulbeine)

Ursache 2: Hüftschiefstand und Scherenbeinschlag zum Ausgleich

Ein angeborener Hüftschiefstand ist gar nicht so selten und ein Scherenbeinschlag häufig die Folge. Man erkennt das gut daran, dass das Becken des Schwimmers beim Brustbeinschlag schief im Wasser steht oder die Schultern leicht verdreht sind. Eine schiefe Hüfte im Wasser kann aber auch „antrainiert“ sein.

Korrekturmöglichkeiten:

  • Zunächst kann man versuchen, den Schwimmer dazu zu bringen, mit Kopf, Schultern und Becken möglichst gerade zu bleiben. Hierbei lässt sich gut mit Überkorrekturen (z.B. „Schau zur Seite“) arbeiten
  • Videofeedback kann helfen, dem Schwimmer den Fehler zu zeigen und – nach Überkorrektur – ihm zu „beweisen“, dass er dadurch nicht schief, sondern gerade schwimmt
  • Um eine gerade Hüfte zu „erzwingen“ kann man auch mit Pullbuoy schwimmen lassen (Achtung! Nicht zu lange, sonst schadet das den Knien) oder mit einer Poolnudel unter der Hüfte
  • Wenn das alles nichts nützt und der Schiefstand eben nicht antrainiert, sondern angeboren ist, hilft (zumindest unterstützend) der Gang zum Physiotherapeuten. Am besten man spricht das mit den Eltern des Schwimmers direkt ab und zeigt ihnen ggf. die Videoaufnahmen

Ursache 3: Füße werden nicht angestellt und Delfinbeinschlag in der Folge

Die wahrscheinlich häufigste Ursache für den Scherenbeinschlag ist das fehlende Anstellen der Füße. Während zumeist ein Fuß korrekt angestellt wird (proniert), bleibt der andere locker oder wird sogar gestreckt (suspiniert). Mit letzterem Fuß folgt häufig eine Art Delfinbeinschlag. Da dieser Fehler auch von einer schlechten Fußbeweglichkeit kommen kann, sind bei den Korrekturmöglichkeiten auch „Trockenübungen“ dabei.

Korrekturmöglichkeiten:

  • Schwimmer soll als Hausaufgabe immer vorm PC oder vorm TV 10×10 Sekunden seine Füße strecken und anziehen (am besten zur Erinnerung einen kleinen Aufkleber an PC und TV kleben)
  • An Land auf Bauch liegend den Brustbeinschlag ausführen, Trainer oder Trainingspartner drückt dabei sachte (!) mit seinen Handflächen gegen die Innenfußflächen des Schwimmers
  • Mit Flipflop/Tauchring schwimmen lassen (Füße müssen angestellt werden)
  • Verbalisierung („Füße anziehen“ – „nach außen drehen“ – „großer Kreis“ – „schließen“)
  • An Land auf den Fußinnenkanten stehen, großer Zehen Richtung Knie ziehen und in leichte Kniebeuge gehen (Knie unbedingt nach innen zeigen lassen). In dieser Position ca. 10 Sekunden verharren, danach dasselbe im hüfttiefen Wasser, aufs Wasser legen und Brustbeinschlag langsam losschwimmen
  • Seitlich an einer Wand stehen (im Wasser oder an Land) und mit angezogenen Füßen an der Wand entlang “schrappen” (entlang fahren)

Ursache 4: Leichter Kraulbeinschlag am Ende des Brustbeinschlags

Dieser Fehler kommt häufig davon, dass die Schwimmer ungeduldig die Gleitphase nicht abwarten möchten oder einfach einen schwachen Beinschlag haben. In letzterem Fall schleicht sich der Fehler gerne ein, wenn im Training häufig um die Wette Brust bzw. Brustbeine geschwommen wird und jene Schwimmer ihren schwachen Beinschlag durch einen verkappten Kraulbeinschlag nach dem Schließen der Beine ausgleichen. Wird das über Monate oder sogar Jahre fortgesetzt, wird der Kraulbeinschlag zwar häufig etwas kleiner und unauffälliger, aber kann dennoch zur Disqualifikation führen.

Korrekturmöglichkeiten:

  • Schwimmer filmen und Video zeigen, da diese Schwimmer das häufig nicht glauben
  • Bewusstes Falschmachen: 3 Brust-Beinschläge mit 3-4 Kraulbeinschläge im Anschluss, danach 3 Brust-Beinschläge ohne Kraulbeinschläge
  • Da der schwache Beinschlag die Hauptursache darstellt, lohnen sich sämtliche Übungen, die den Beinschlag verbessern, also auch alle anderen oben genannten Übungen der anderen Ursachen
  • Und zur Prävention: Brustbeine nicht auf Schnelligkeit gegeneinander schwimmen lassen, sondern nur, wer die wenigstens Beinschläge pro Bahn benötigt (fördert eine lange Gleitphase)

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