5 Anti-Burnout-Tipps für die trainings- und wettkampffreie Zeit
Erst die DM, dann die DJM, jetzt Olympia: Nach und nach werden sämtliche Wettkämpfe und Meisterschaften abgesagt oder verschoben – jene Events also, für die so viele von euch so hart trainiert haben. Aus der Traum! Die ganze investierte Zeit und Energie – umsonst!
Das mag vermutlich den allermeisten von euch im ersten Moment durch den Kopf gegangen sein. Und zwar völlig zurecht! Wir sind keine Maschinen, keine Laptops oder Smartphones, die man einfach per Knopfdruck komplett herunter- und im nächsten Moment wieder hochfahren kann.
So wie man aber auch beim Aufladen des Smartphone-Akkus einige Dinge beachten kann, so kann man auch für unsere Psyche nun einige Maßnahmen ergreifen, um wieder mit voller Energie nach dieser Zeit durchzustarten. Hier deshalb 5 kurze Anti-Burnout-Tipps für die trainings- und wettkampffreie Zeit:
1) Lass es raus!
Wer wütend oder traurig ist, soll das erstmal rauslassen! Das ist nicht nur menschlich, sondern ganz wichtig, um nicht in eine Negativ-Spirale zu rutschen. Wenn du merkst, dass dich das doch mehr beschäftigt und runterzieht, hol dir professionelle Unterstützung von einem Sportpsychologen (zu finden an vielen Landes- und Bundesstützpunkten und auf der offiziellen Seite des BiSp). Auch ich biete Coachings (gerne via Skype) an. Mehr Infos dazu hier.
2) Mach mal Schwimm-Detox!
Je nachdem, wie sehr dich die aktuelle Situation runterzieht, kann es auch gut tun, das Thema Schwimmen erstmal für eine klar begrenzte Zeit (sprich diese mit deinem Trainer ab!) in „Quarantäne“ zu schieben, sprich: sämtliche Schwimm-WhatsApp-Gruppen stumm schalten, Instagram-Profile „entfolgen“ usw. Jetzt wäre auch mal Zeit für andere schöne Dinge, die sonst in deinem Schwimmer-Alltag nicht so viel Platz haben. Zum Beispiel könntest du das Buch lesen, das dir Oma Inge vor drei Jahren geschenkt hat, eine Fremdsprache des Landes lernen, in das du gerne mal reisen möchtest oder auch anderen deine Unterstützung anbieten – z.B. indem du den Tupperschüssel-Schrank deiner Mutter aufräumst, du für unterstützungsbedürftige Menschen einkaufen gehst, bei der Ernte hilfst, älteren Mitmenschen dein offenes Ohr schenkst usw.
3) Reflektiere!
Für alle, die mit der Situation (momentan zumindest) gut zu rechtkommen und für alle anderen nach ihrem Detox geht es darum, nach vorne zu blicken: Wie soll es nun weitergehen? Direkt zu Hause (zumindest im Trockenen) weitertrainieren oder doch erstmal eine gezielte Pause machen? Hierfür solltest du dich mit deinem Trainer abstimmen (siehe Tipp 4), in erster Linie aber erstmal ganz ehrlich zu dir selbst sein: Was möchtest du, was brauchst du jetzt? Was tut dir gerade gut und was nicht? Wie steht es um deine Motivation? Vereinfacht lassen sich da zwei Typen unterscheiden: die einen können schneller abhaken und ihren Blick nach vorne richten, die anderen hängen dem geplatzten Traum länger nach. Beides ist völlig in Ordnung, beides benötigt jedoch im kurz- und mittelfristig unterschiedliche Herangehensweisen. Gehe also in dich und spüre, ob dein Traum in dir noch lebt und es dich schon wieder anfängt zu kitzeln – oder du eben doch gerade erstmal etwas Abstand benötigst. Nichts wäre schlimmer als jetzt einfach blind weiterzutrainieren, nur dass dir dann Mitten in der nächsten Saison klar wird, dass eigentlich gar keine Motivation mehr vorhanden ist. Mach erst weiter, wenn du merkst, dass das Feuer langsam wieder zu lodern beginnt.
4) Plane und strukturiere!
Als nächstes solltest du diese Gedanken mit deinem Trainer/deiner Trainerin und mit deinen engsten Vertrauten (Eltern/PartnerIn) teilen. Mache dir gemeinsam mit deinem Trainer einen Plan, wie die nächsten Wochen und Monate aussehen können. Du bist von heute auf morgen aus einem hochstrukturierten Alltag (Schule und mehrmaliges Training pro Woche) in einen weitaus weniger strukturierten Tagesablauf gestoßen worden. Diese Freiheit mag im ersten Moment „cool“ sein, kann aber nicht nur erwiesenermaßen Ängste auslösen, sondern auch zu seelischer Unruhe und Unausgeglichenheit führen. Du solltest deinem neuen Alltag also eine klare Struktur geben: Wann stehst du auf? Wann gehst du zu Bett? Wann sind deine Arbeitszeiten (Job/Schule)? Wann trainierst du? Beim Aufstellen dieses Plans kann dir auch der Artikel zum Thema Zielsetzung aus der Frühjahrsausgabe des swimsportMagazines helfen. Stelle dir hierzu ergänzend die Frage: Wie kannst du dich heute, im Hier und Jetzt, am besten auf die Nach-Corona-Zeit vorbereiten?
5) Umgib dich mit kreativen Positivdenkern!
Sei beim Planaufstellen und -umsetzen kreativ und lass dich auch von anderen Trainern/Sportlern/Sportarten anregen. Denn letzten Endes ist es wohl das, was uns gerade am meisten stützt: Es geht momentan jedem Sportler – egal ob Amateur oder Profi – und jedem Trainer weltweit gleich. Interessant ist dabei zu beobachten, dass manche die Situation eher als Chance sehen. Oder, wie es mein befreundeter Trainerkollege Philipp Wolge* es sagt:
„In dieser Zeit trennt sich wohl die Spreu vom Weizen: wer am Ende dieser ‚Krise‘ zurückblickt und auf viele harte, zum Großteil alleine durchgeführte, Trainingseinheiten zurückblicken kann, der wird mit einem gestärkten Selbstvertrauen starten“.
Eine solche optimistische Haltung stiftet an. Umgib dich deshalb gezielt und vermehrt mit solchen Leuten (sowohl in den sozialen Medien als auch bei deinen Kontakten in deinem näheren Umfeld) und halte mehr Kontakt zu diesen (indem du ihnen z.B. auf Instagram folgst oder sie häufiger anrufst) als zu den Schwarzmalern.
Wenn ihr weitere Tipps und Ideen habt, so teilt mir diese gerne mit. Ich freue mich über Anregungen 🙂
Einen schönen Text mit weiteren Tipps zu dem Thema hat auch Franka Weber auf der DSV-Homepage veröffenlicht.
Liebe Grüße und haltet durch!
Lukas
*Philipp ist z.B. ein solcher kreativer Positivdenker, siehe seine Trainingslösung für die aktuelle Zeit: https://padlet.com/philipp_wolge/78l4lbh41m90